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Joachim Heinrich Campe

Unser Namensgeber

Nach Abschluss der Schule begann Joachim Heinrich am 20. April 1766 ein Theologiestudium an der Universität Helmstedt. Dort schloss er sich dem liberalen, aufklärerischen Flügel der Fakultät an, was allerdings bewirkte, dass er sein Stipendium verlor. 1768 wechselte er an die Universität Halle, wo er vor allem bei dem aufgeklärten Theologen Semler hörte. 1769 begann Campe nach Beendigung des Studiums in Berlin als Hauslehrer bei dem Major und Kammerherrn Alexander Georg von Humboldt. Später übernahm er dort die Aufgabe, die Söhne aus zweiter Ehe zu erziehen:

  • Wilhelm, den späteren preußischen Staatsmann und Kulturreformer
  • Alexander, den künftigen bedeutenden Naturwissenschaftler.

Zwischenzeitlich hatte Campe 1773 Dorothea Maria Hiller geheiratet. 1774 wurde ihr einziges Kind geboren, die Tochter Charlotte. Noch 1776 war J. H. Campe als Prediger in der Heiligengeistkirche zu Potsdam tätig, nahm bald darauf jedoch für immer von der Theologie Abschied, da er "in die steife geistliche Etikette sich nicht schmiegen könne". Campe wurde ein entschiedener Vertreter der Aufklärung. Vernunft und selbständiges Denken waren seine Leitlinien. Von der Theologie wandte er sich der Pädagogik zu, auf die man zu dieser Zeit große Hoffnung setzte. Hier zeigte er beträchtliche praktische Begabung. In Dessau lernte er Basedows Schule des Philanthropismus kennen: Das Lernen sollte alters- und kindgemäß sein. Lebendige Anschauung und Beispiel sollten der Theorie vorangehen. Differenzen mit Basedow führten Campe 1777 mit Frau und Tochter nach Hamburg, wo er wieder als Erzieher tätig war. Dort erschien 1779/80 "Robinson der Jüngere", Campes Neubearbeitung von "Robinson Crusoe" aus dem Jahr 1719. Von diesem Werk gab es über 100 Auflagen, und es wurde in 20 Sprachen übersetzt, ein Zeichen der Aktualität dieses Buches über mehr als ein Jahrhundert, auch wenn uns das Buch heute "in dieser Form kaum genießbar" vorkommt. In den 5 Hamburger Jahren hatte Campe u.a. mit Klopstock, Claudius, Voß und Lessing Kontakt. Wegen Überlastung wechselte er 1783 ins holsteinische Trittau. Dort publizierte er 1785 - 1792 die "Allgemeine Revision des gesamten Schul- und Erziehungswesens" in 16 Bänden. Als Fachmann holte ihn 1786 Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog des Fürstentums Braunschweig - Wolfenbüttel, nach Braunschweig, um das dortige Erziehungswesen zu reformieren. Ein Schuldirektorium wurde eingerichtet, dem das gesamte Schulwesen unterstellt wurde und das nur dem Fürsten verantwortlich war. Das Schulwesen wurde in Braunschweig als erstem deutschen Land verstaatlicht. Landstände, Landeskirche und viele andere sahen dabei ihre Einflüsse schwinden. Sie widersetzten sich der Reform, die schließlich scheiterte. Die alten Verhältnisse wurden wiederhergestellt. Dagegen war die Gründung der "Braunschweigischen Schulbuchhandlung" zur Herstellung von Schulbüchern und anderen Schriften ein voller Erfolg. 1808 ging der Verlag als Mitgift von Campes Tochter Charlotte an deren Mann Friedrich Vieweg über. Angeregt und gefördert von Campe gelangten drei seiner Neffen im deutschen Buchhandel zu erheblicher Bedeutung:

  • August Campe (1773 - 1836), Buchhändler in Hamburg, und sein Schwiegervater Hoffmann begründeten 1810 den Verlag Hoffmann & Campe.
  • Friedrich Campe (1777 - 1846) wirkte in Nürnberg als Verleger und wurde 1825 Mitbegründer und erster Vorsteher des Börsenvereins Deutscher Buchhändler.
  • Julius Campe (1792 - 1867) wurde bedeutender Verleger in Hamburg, u.a. von Heine und Hebbel. Er veröffentlichte 1841 erstmals Hofmann von Fallerslebens Deutschlandlied.

Verwandtschaftliche Beziehungen gab es zu weiteren deutschen Verlagen wie Westermann, Reclam und Brockhaus.Eine bedeutende Rolle im Leben Campes spielte die Französische Revolution von 1789. Seine Begeisterung hierfür wird in den "Briefen aus Paris" deutlich. Hiermit fand er sich in Gesellschaft u.a. von Klopstock, Schiller, Kant, Hegel und Wieland. Wie auch die beiden Erstgenannten erhielt er 1792 die französische Ehrenbürgerschaft verliehen. Die Radikalisierung der Revolution führte zu Anfeindungen ihrer Befürworter. Campe distanzierte sich deutlich vom Radikalismus. Für Deutschland erstrebte er "Veränderungen durch Reformen", was ihm auf Dauer Probleme mit der fürstlichen Obrigkeit einbrachte. Nachdem Campe keine praktischen Aufgaben mehr im Erziehungswesen vorzunehmen hatte, wandte er sich der Bereinigung der deutschen Sprache zu. Seit 1790 veröffentlichte er Aufsätze zu diesem Thema. 1807 - 1811 erschien sein 5-bändiges "Wörterbuch der deutschen Sprache". Viele Fremdwörter wurden nach seinen Vorschlägen verdeutscht, z.B. Beweggrund für Motiv, Öffentlichkeit für Publizität, Kreislauf für Zirkulation. Am 22. Oktober 1818 starb Joachim Heinrich Campe in Braunschweig.

VOL, HEN, ca. 2014.

Links im Zusammenhang

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Alexander von Humboldt

Wilhelm von Humboldt