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Vertretungsplan

Ein Igel, dessen Stacheln nach innen weisen

Auch die 10-3 war im Grenzlandmuseum

(PIP | MAM) Kalter Wind, Nieselregen, dunkle Wolken. Das Wetter passt zum ungemütlichen Ort: die ehemalige innerdeutsche Grenze, oder was von ihr noch übriggeblieben ist. Die Klasse 10-3 ist unterwegs an den Resten der perfiden Grenzanlagen, vorbei an langen Reihen rostigem Sichtschutzzaun geht’s auf dem Kolonnenweg bergauf, man blickt auf das geharkte Feld, das Fußspuren sichtbar machte, den Signalzaun, das mittlerweile geräumte Minenfeld, die KFZ-Sperre, Wachtürme, Flutlichtanlagen. Die Selbstschuss-Splitterminen waren schon in den 1980er Jahren abgebaut worden und die Hundelaufanlage mit auf Menschen abgerichteten hungrigen Hunden ist nur noch zu erahnen. Zusammen mit dem Schießbefehl, der nicht so genannt werden durfte, bildete der mehrere 100 m breite Grenzstreifen auf einer Länge von 1400 km ein fast unüberwindbares Hindernis auf der Flucht in den Westen. Bereits lange im Hinterland der DDR fiel man auf, wenn man ohne Rückfahrticket und mit Rucksack in der Bahn angetroffen wurde, man wurde sogleich verhaftet. Spätestens im Sperrgebiet vor der Grenze lief man erst Recht Gefahr, entdeckt zu werden, weil man dort nur mit Genehmigung einreisen durfte. Für Menschen, die nach 1990 geboren sind, ist diese Grenze heute nahezu unvorstellbar. Darum sind wir jetzt hier, am ehemaligen Grenzübergang Teistungen im Eichsfeld. „Antiimperialistischer Schutzwall“ wurde er offiziell genannt, aber alle „Schutzmaßnahmen“ richteten sich „freundwärts“, also in Richtung der DDR – die Grenze war wie ein Igel, dessen Stacheln nach innen wiesen. Es wird über Fluchtursachen gesprochen, das Leben in der DDR-Diktatur und insbesondere im Sperrgebiet, die StaSi-Methoden und die Öffnung der Grenze 1989. Die beiden Museumspädagogen, beide aus der ehemaligen DDR, vermitteln an diesem Tag viele Erfahrungen und Erkenntnisse über die deutsche Teilung und die innerdeutsche Grenze, hautnah spürt man dieses Unbehagen draußen zwischen den Grenzanlagen und begreift anhand hunderter Ausstellungsstücke in der Dokumentationsstätte , was diese Grenze eigentlich bedeutete.

Das Motto der Dokumentationsstätte „Keine Macht der Welt kann Menschenwürde und Freiheit auf Dauer stoppen.“ (Hans-Dietrich Genscher, *1927, † 2016, langjähriger Außenminister der BRD (FDP) am 12.08.2011 in Berlin anlässlich der Gedenkstunde zum 50. Jahrestag des Mauerbaus) wird hoffentlich auch eines Tages auf die Menschen an den Grenzen zwischen Gaza und Israel sowie zwischen USA und Mexiko und Nord- und Südkorea und anderswo zutreffen – auch darauf wird in der Ausstellung aufmerksam gemacht.

Vor dem ehemaligen Grenzübergang

Auf dem Kolonnenweg


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Letzte Änderung durch KOE (Administrator), 13.05.2019.

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