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Schüleraustausch mit Miass September 2016

(HAS/JAE) Über dreieinhalb Stunden dauerten die Feierlichkeiten im Palast der Automobilwerker in Miass anlässlich des 50 jährigen Bestehens der Schule 26 in Miass. Eine Feier, die wie eine Show inszeniert war und sich als viele Aneinanderreihungen von Ehrungen für Schülerleistungen und Lehrerauszeichnungen gestaltete. Die gesamte Prominenz aus Miass machte der Schule 26 ihre Aufwartung. Für unseren Geschmack eine Jubelfeier mit sehr patriotischen Elementen, die so in Deutschland nicht denkbar wäre. Scheinbar wirkten die 70 Jahrfeiern zum Ende des Vaterländischen Krieges (Ende des 2. Weltkrieges) bei der Planung dieses Festaktes noch nach. Dennoch beeindruckend, wie die gesamte Schulgemeinde - ca. 800 Zuhörer - die Jubiläumsfeier aufmerksam bis zum Schluss verfolgte.

Foto: Michael Haas, Gruppe in Arkaim, 20.09.2016

 

 

Daneben absolvierte die Schülergruppe aus Holzminden, diesmal auch noch durch den Schulleiter begleitet, eben wegen der Einladung zum Jubiläum, ein umfangreiches Besichtigungsprogramm. Im Anschluss an das Projekt Archäologie hier in Holzminden konnten wir gleich am Montag eine Exkursion nach Arkaim unternehmen. Etwa 6 h führte uns die Busreise von Miass gen Süden an die Grenze von Kasachstan. Wir waren in der Uralsteppe angekommen. Neben ein paar Grabhügeln tatsächlich nur Steppe. Hier hat man in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Reste einer über 3700 Jahre alten Kultur gefunden. Das passte ganz gut zu der Himmelsscheibe von Nebra, die wir mit unseren Gastgebern im April in Sachsen-Anhalt bestaunt hatten. Hier nun gingen die Grabungen in die Fläche. Zentrum von Arkaim war eine Spiralstadt, deren Grundrisse teilweise freigelegt worden waren, die wir uns aber im Modell im Museum noch genauer anschauen konnten. Erstaunlich für uns war der Umgang mit dem Thema Arier, da unsere Begeleiterin, eine promovierte Archäologin, mit den Begriffen "Indogermanische Rasse" usw. überhaupt keine Probleme hatte. In diesem Zusammenhang sehr interessant die Verzierungen mit der Swastika auf Amuletten und Architraven aus vorchristlicher Zeit. Intensivere Grabungen weisen hier eine Besiedlung bis in die Jungsteinzeit nach. Mittlerweile hat man das Grabungsgelände zu einer Art Freilichtmuseum ausgebaut. Befremdlich ist die Nuztung des Gebietes durch die Esoteriker, die diesem Ort positive Energie zuweisen. Im Sommer kann man auch mit Schamanen und verschiedenen Vertretern der Naturreligionen sprechen, diese hatten aber nach der Sonnenwendfeier bereits ihre Zelte schon abgebrochen. Dennoch gab es spirituelle Randgruppen, die versuchten unsere Schüler zu missionieren. Aber erfolglos: Reglions- sowie Werte- und Normen-Unterricht hatten unsere Schüler sehr kritikfähig gemacht und sie durchschauten die unlauteren Absichten der Sektierer sofort. Vielmehr erkannten die Schülerinnen und Schüler in den englischsprachigen Flugschriften, die da verteilt wurden, viele unlogische Zusammenhänge. Museum und Ausgrabungsstätten in Arkaim wurden jedenfalls für einem schulisch wertvollen Gang durch die Vor- und Frühgeschichte mobilisiert. Daneben unvergesslich natürlich unsere Mittags- und Abendversorgung im Kaffee in Arkaim. Übersetzt hieß das Lokal: "Platz des guten Geschmackes". Der Leser mag dazu mal die Teilnehmer des Austausches befragen, der Unterzeichner möchte dazu kein Urteil abgeben. Die Unterkunft in Arkaim, wir blieben dort eine Nacht, hat allen Teilnehmern gefallen. Die Schülergruppe rückte in dieser Nacht der Steppe näher zusammen, es war auch schon kalt und man fürchtete wilde Tiere vor dem Lager, das nicht so befestigt war wie die bronzezeitliche Spiralstadt.

 

 

 Foto: Michael Haas, Modell der Spiralstadt im Museum von Arkaim, 1700 v. Chr.

Foto: Michael Haas, Zustand des Haupttores heute, rekonstruiert im Freilichtmuseum

Zurück in Miass gab es noch vier Highlights: Der Besuch einer Messerfabrik in Zlataoust, der Stadtbummel durch Tscheljabinsk mit dem anschließenden Besuch der Oper Carmen, die Begegnung mit der Stadt Miass (Mineralogisches Museum und Orthodoxe Kirche), schließlich den Abschlussabend am Turgojaksee in Miass. Hier servierten uns die gastegebenden Eltern das typische Schaschlik und viele Dinge, die man sonst noch zu einem Grillabend am See verzehrt. Schon am nächsten Tag ging es zum Flughafen Tscheljabinsk. Beim Abschied flossen wie immer während des Austausches Tränen, denn man hatte sich ja gerade aneinander gewöhnt. Aber Moskau erwartete uns und die Tickets bei der Aeroflot konnten nicht umgebucht werden.

 Foto: Michael Haas, Empfang in der orthodoxen Kirche von Miass durch den Popen

 

Abschiedsabend am Turgojaksee in Miass

 

Letzte Änderung durch HAS, 06.10.2016.

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