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Vertretungsplan

"Tradition bewahren, Zukunft gestalten!"

... ist also unser Jubiläumsmotto! Bericht über unsere Jubiläumsauftaktveranstaltung

(PIP) Der Abend des 22.10.2018 in der St. Josef-Kirche: die lange geplante Auftaktveranstaltung für unser Jubel-Jahr, draußen laues Herbstwetter, Blätter segeln durch das Abendlicht, drinnen feierlicher Kerzenschein und erwartungsvolles Stimmengewirr. Es ist der 200. Todestag unseres Namensgebers, Joachim Heinrich Campe. Ihm zu Ehren haben wir uns für diesen Tag als den Beginn unseres Jubiläums-Jahrs „450 Jahre Campe-Gymnasium“ entschieden. Sicher wird es uns Herr Campe verzeihen, dass wir dafür ausgerechnet eine katholische Kirche ausgesucht haben, er, der Aufklärer und Kirchenkritiker! Aber das zentrale Projekt des Abends, eine Messe, gehört nun mal in eine Kirche, wie es Schulleiter Georg Muschik in seiner Eröffnungsrede augenzwinkernd bemerkt. Zudem war der Ursprung unserer Schule vor 450 Jahren ja ebenfalls kirchlich, wenn auch reformatorisch.

Vor vollbesetzten Kirchenbänken begrüßt Herr Muschik alle Anwesenden, zahlreiche geladene Gäste, den Redner des Abends, Herrn Reinhard Krebs und natürlich die Mitwirkenden der beiden Chöre, die Instrumentalisten und die Chorleiter aus beiden Schulen. Natürlich dankt er besonders dem Gastgeber des heutigen Abends, der die geschmückte Kirche und das Josefshaus zur Verfügung stellt. Was gilt es zu feiern? - Diese Frage klärt Herr Muschik dann auch gleich, geht es doch nicht nur um Campe, sondern vor allem um die Gründung unserer Schule im Jahr 1569 als kleine Latein-und Klosterschule im nahegelegenen Amelungsborn. 13 junge Schüler begannen damals als Stipendiaten ihre mühevolle höhere Schullaufbahn, nachdem sich der Herzog von Braunschweig überall im Land für die Gründung reformatorischer Schulen eingesetzt hatte. In einem schwungvollen Bogen geht es durch die Schulgeschichte, der Schulleiter streift das Jahr 1760, in dem die Schule nach Holzminden verlegt und mit der dortigen Stadtschule verschmolzen wurde – und unser junger Joachim Heinrich Campe sich genau in diesem Jahr als einer der ersten Stipendiaten in das große schwarze Immatrikulationsbuch der „Herzoglichen Kloster-und Stadtschule“ in Holzminden einschrieb.

Anschließend bittet Herr Muschik die Schülersprecher Malte Halling und Jonathan Horn nach vorn, um mit ihnen zusammen die Preisverleihung für den Schülerwettbewerb vorzunehmen. Die Schülervertretung des Campe-Gymnasiums hatte im Frühjahr zu einem Motto-Wettbewerb für das Jubiläumsjahr aufgerufen und unter vielen fantasievollen und kreativen Vorschlägen drei Favoriten ausjuriert: Johannes Winter – mittlerweile Abiturient des Sommers 2018 und wegen des Studiums nicht vor Ort, Jule Fischer, damals 9-3 und Jule Budde, damals 7-3, hatten die besten Vorschläge. Jule Fischers Motto „Das Campe ist alt – wir bleiben jung“ nimmt den dritten Preis entgegen, Johannes Winter wird mit dem 2. Preis belohnt, für sein Motto: „Wir leben Campe - Gemeinsam für Vielfalt und Tradition“. Jule Budde kann sich über den ersten Preis für ihr Motto, das bereits alle Veröffentlichungen ziert: „Tradition bewahren, Zukunft gestalten“ freuen. Herzlicher Applaus begleitet die Preisverleihung.

Motto-Preisträgerinnen Jule Budde und Jule Fischer nehmen die Preise von den Schülersprechern Malte Halling und Jonathan Horn (v.l.n.r.) entgegen. (Foto: Kathrin Fischer)

Dann leitet der Schulleiter über zum musikalischen Teil des Abends, dem Deutsch-Polnischen-Chor-Projekt, hervorgegangen aus dem Kooperationsvertrag zwischen dem „Campe- Gymnasium Holzminden“ und dem Liceum „Adam Mickiewicz“ in Głubczyce von 2004. Der europäische Rahmen an diesem Abend passt perfekt und verleiht dem Jubiläumsauftakt einen besonderen Glanz, die Harmonie und die herzliche Freundschaft zwischen beiden Chören sind hörbar und spürbar und übertragen sich schnell auf das begeisterte Publikum. Fulminant und mit unglaublicher Spielfreude verzaubern die Chöre „Chór Mieszany LO w Głubczycach“, „Cantabile” von der Głubczyce Middle School no 1, der „Capricolium” der Głuchołazy High School (unter der Leitung von Tadeusz Eckert und Ewa Maleńczyk) und die „Smilin‘ Faces“, der Schulchor des Campe-Gymnasiums Holzminden unter der Leitung von Paul Symann, das Publikum. Zusammen mit den federleicht-perlend und perfekt aufeinander abgestimmt spielenden Instrumentalisten Karolina Peczkis am Saxophon, Lena Dreker (Piano), Malte Halling (Bass) und Moritz Rekel (Schlagzeug) bringen sie mit der „Latin Jazz Mass“ des deutschen Komponisten Martin Völlinger eine beschwingte, mitreißende Stimmung in die Kirche. Der Helbling-Verlag, der die Noten herausgibt, schreibt treffend dazu: „Interessant und abwechslungsreich ist die satztechnisch und musikalisch ausgesprochen vielfältige Messe, die Kombination unterschiedlichster Rhythmen und Stile – von Salsa, Samba, Bossa Nova, Rumba, Tango, Gospel bis zu Pop-Ballade und Funk. Abwechslungsreiche Grooves, einprägsame, charakteristische Melodien, die ausgefeilte Harmonik, improvisatorische Elemente, Solo-Passagen, ein vielfältiger Chor- und Instrumentalsatz sowie der große formale Reichtum sprechen eine große Zuhörerschaft an.“ In vier Sprachen – Lateinisch, Deutsch, Englisch und Polnisch – folgt Stück um Stück:

Die wunderbare Zusammenarbeit der Chöre wird auch ermöglicht durch die Unterstützung des Landkreises Holzminden, des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, der Rainer-Bickelmann-Stiftung und der Sanddorf-Stiftung. So konnte am Wochenende zuvor in einem gemeinsamen Workshop in Silberborn geprobt werden und auch eine Aufführung in der Klosterkirche Corvey am Tag zuvor stattfinden. In einer feierlichen Zeremonie zwischendurch gibt es herzliche Glückwünsche und Briefe von der polnischen Partnerschule, übersetzt von unserer Kollegin Karin Albrecht-Hennigfeld, die mal eben aus dem Chor auf das Podium springt und in beide Sprachen dolmetscht, um dann wieder im Chor zu singen.

(Größere Version: Klick aufs Bild)

Und nicht zuletzt erinnern die Chorleiter daran, wie wichtig gerade in heutigen Zeiten der Austausch, die Freundschaft und der Zusammenhalt der Menschen über Grenzen hinweg sind. Musik verbindet offensichtlich ganz besonders, diese Freundschaft wird auf jeden Fall weitergehen, da sind sich alle einig.

Zwischen beiden Teilen der Messe tritt auch Reinhard Krebs, OStR a.D. am Campe-Gymnasium und bester Campe-Kenner ans Mikrofon und nutzt den 200. Todestag Campes zu dessen Würdigung in einer launigen Rede: „Keiner kennt Campe - Versuch einer Aufklärung“. In einem lebendigen Vortrag ziehen das Leben und Wirken, Scheitern und Kämpfen Campes für seine Ideale an den Zuhörern vorbei, man erlebt zusammen mit ihm seine brennende Begeisterung für die Ziele der Aufklärung, seine Aufenthalte in Paris mitten in den Wirren der Französischen Revolution, „Jahre, in denen er vom Theologen zum Psychologen und Pädagogen wurde, zu einem Pädagogen, der für eine neue Zeit und eine neue Gesellschaft einen neuen Menschen bilden wollte, einen Menschen, der das Erdenleben nicht mehr nur als Bewährungsprobe für die ewige Seligkeit im Jenseits ansieht, sondern der durch vernünftiges Denken und Handeln schon im Diesseits zur Glückseligkeit gelangen kann“, so Krebs. Campe schrieb eine allererste „Schulenzyklopädie“ (Curriculum) für den Lehrstoff von der Elementarschule bis zur Universität, die den Anforderungen der neuen Zeit entsprach, entwickelte dazu passende Schulbücher, was eine Weltpremiere war, und trieb die Professionalisierung des Lehrerberufs durch die Einführung von „Pflanzschulen junger Lehrer“ (= Lehrerseminare ) voran mit dem Ziel, die „Allgegenwart des Religiösen im Unterricht zu beenden und langfristig die Trennung von Kirche und Staat zu erreichen“. Der 1792 zusammen mit George Washington und Friedrich Schiller zum Ehrenbürger der Französischen Republik ernannte Joachim Heinrich Campe hat auch 200 Jahre nach seinem Tod nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Reinhard Krebs klärt über Campe auf

Freuen sich über den gelungenen Abend: Ewa Maleńczyk, Paul Symann, Georg Muschik, Tadeusz Eckert und Reinhard Krebs

Der zweite Teil der „Latin Jazz Mass“ folgt, swingend vergeht die Zeit wie im Flug, und das Publikum erklatscht sich noch eine Zugabe. Im Anschluss hat Kollege Jan-Torben Saenger mit einer Gruppe Schülerinnen und Schüler für einen kleinen, stimmungsvollen Sektempfang im Josefshaus gesorgt, wo man noch lange zusammensteht und den Abend gut gelaunt ausklingen lässt. (Alle nicht weiter gekennzeichneten Fotos dieses Artikels stammen von Merle Smollich und Greta Steffens)


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Rede Reinhard Krebs

Letzte Änderung durch KOE (Administrator), 29.10.2018.

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